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Do. 18.03.2014

Baubeginn für Luftfrachtzentrum

Neues Projekt für 45 Millionen Euro entsteht am Flughafen. Insgesamt 40 Laderampen für Lastwagen geplant
Von Volker Mester

Hamburg. Auf diesen Tag haben viele Hamburger Spediteure lange gewartet – selbst Flughafenchef Michael Eggenschwiler kam nicht umhin, dies in seiner Ansprache zum ersten Spatenstich für das neue Luftfrachtzentrum einzuräumen. Auf dem Gelände des inzwischen geschlossenen Holiday-Parkplatzes P8 am Weg beim Jäger, nur wenige Meter vom Flughafenzaun entfernt, entsteht bis zum Sommer nächsten Jahres eine Anlage mit einer sieben Meter hohen Halle, bis zu 40 Laderampenpositionen für Lkw, 36 Stellplätzen für Lastzüge sowie Bürogebäuden mit bis zu vier Geschossen.

Das neue Hamburg Airport Cargo Center (HACC) ersetzt das jetzige Luftfrachtzentrum auf dem Flughafengelände. "Das alte Luftfrachtzentrum aus den 1960er-Jahren entspricht nicht mehr den Anforderungen an eine moderne und zukunftsorientierte Luftfrachtabfertigung", so Eggenschwiler. Die erhöhte Effizienz zeige sich schon darin, dass trotz einer unveränderten Gesamtfläche von 60.000 Quadratmetern die Jahreskapazität von 120.000 auf 150.000 Tonnen steige. Nach Angaben von Eggenschwiler investiert der Flughafen rund 45 Millionen Euro aus eigenen Mitteln in das HACC. Schon jetzt verzeichne man einen erfreulich hohen Vermietungsstand: "Für etwa 85 Prozent der Flächen sind bereits Verträge unterzeichnet beziehungsweise endverhandelt. Wir werden ein volles Haus haben, wenn wir eröffnen." Aus Sicht des Flughafenchefs ist der offizielle Baubeginn ein "wichtiger Meilenstein für die nachhaltige Sicherung des Standorts".

Auch nach Auffassung von Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) passt das neue Frachtzentrum gut zur Strategie der Hansestadt: "Wir entwickeln uns zu einer Logistikdrehscheibe Europas." Die Luftfracht sei unter anderem bedeutsam für die Belieferung des Großmarkts, etwa mit Blumen, vor allem aber würden auf dem schnellen Luftweg dringend benötigte Ersatzteile versandt – von Airbus und Lufthansa Technik für Flugzeuge und von der maritimen Industrie Norddeutschlands für Schiffe in aller Welt.
Horch unterstrich den wichtigen Beitrag, den das Unternehmen Hamburg Airport für die Wirtschaft und den Tourismus der Stadt leiste; denke man auch an das jüngste Ausbauprogramm mit neuen Terminals und Parkhäusern, befinde sich der 103 Jahre alte Flughafen in einem "rasanten Entwicklungsprozess".
Willem van der Schalk, Vorstandsmitglied des Vereins Hamburger Spediteure, zeigte sich zwar ebenso erfreut darüber, dass die Luftfracht in Hamburg ein neues Zuhause bekommt. Er fand jedoch kritische Worte für die aus seiner Sicht viel zu lange Vorlaufzeit: "Forderungen nach einem neuen Frachtzentrum gibt es seit mehr als 25 Jahren."
Manche Spediteure seien aus der alten Anlage auf dem Flughafen weggegangen, "weil sie an die Realisierung eines neuen Zentrums nicht mehr glaubten". Nun endlich könne die "Zersiedelung" der Hamburger Luftfrachtszene gestoppt werden. Manche Unternehmen der Branche hatten sich in den vergangenen Jahren in Norderstedt angesiedelt, andere im Gewerbe- und Logistikareal Obenhauptstraße südlich des Flughafens.

Auch dem Luftfahrtstandort Hamburg habe das lange Warten auf ein neues Frachtzentrum nicht gutgetan, sagte van der Schalk. So hätten sich manche Fluggesellschaften gegen potenzielle Direktrouten aus Hamburg entschieden, weil die Luftfracht gerade für Langstreckenflüge ein wichtiger Faktor in der Ertragsrechnung sei. In der Umgebung des Flughafens haben sich mehr als 150 Unternehmen mit über 1500 Mitarbeitern auf den Transport von Luftfracht spezialisiert. Neben der Ersatzteillogistik geht es dabei vor allem um den Umschlag von Unterhaltungselektronik und Textilien sowie pharmazeutischen und chemischen Produkten.

Für den benötigten Zugang vom HACC zum Vorfeld baut der Flughafen einen 60 Meter langen Tunnel unter der Straße Weg beim Jäger hindurch. Die Frachthalle soll den Planungen zufolge 256 Meter lang und 76 Meter breit sein. In die Konzeption der Anlage habe man Umweltexperten eingebunden, um eine ressourcenschonende Realisierung der Gebäude zu sichern, sagte Eggenschwiler: "Erdsonden werden zu einem Drittel den Wärme- und Kühlungsbedarf decken." Außerdem seien hocheffiziente Wärmerückgewinnungsanlagen vorgesehen. Im Sommer 2014 soll der Hochbau beginnen, schon gegen Ende des Jahres will man das Richtfest feiern.
Unter den Anwohnern in Groß Borstel hatte es zunächst Bedenken gegeben, das neue Luftfrachtzentrum werde zu einer Zunahme des Verkehrs führen. "Wir haben sehr konstruktive Gespräche mit dem Kommunalverein darüber geführt", hatte Eggenschwiler dazu bei früherer Gelegenheit gesagt. Mittels einer Verkehrsstudie habe man nachweisen können, dass die Zahl der Fahrten nicht zunehmen wird.
Engpässe beim Parkraum erwartet der Flughafenchef nicht. Denn zu den diesjährigen Sommerferien eröffne das neue Parkhaus P1 in Terminalnähe mit 2800 Stellplätzen, während der Holiday-Parkplatz P8 etwa 2400 Plätze hatte. Im Februar hatte man das Richtfest für das neue, rund 27 Millionen Euro teure Parkhaus P1 gefeiert.

Quelle: Hamburger Abendblatt

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